Argumente für Webstandards - Part II
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Webstandard
- 22 Feb, 2006
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Wie Part I vermuten liess, gibt es nun einen zweiten Teil zum Thema: "Argumente für Webstandards". Es kann jeder gern weitere Vorteile oder auch Nachteile ( mal abgesehen davon das man ein grösseres Fachwissen vorweisen sollte ) auflisten oder diskutieren.
6. Ein Punkt der vielleicht weniger mit dem Standards an sich zu tun hat, sondern mit seiner Aussenwirkung ( Image ), ist die Professionalität die mit der entwickelten Arbeit ausgestrahlt wird. Die Qualität professioneller Umsetzungen, ermöglich es einem Kunden nicht nur ein bisher unerreichtes Potential zu erreichen, sondern auch die Unterstützung gesetzlicher Grundlagen anbieten zu können. Ein wichtiges und leider immer noch zu wenig beachtetetes Argument ist die barrierefreie Informationstechnikverordnung ( BITV), die im Juli 2002 in Deutschland verabschiedet wurde. Sie besagt das öffentliche Einrichtungen ab dem 31. Dezember 2005 gesetzlich verpflichtet sind, ihre Websites barrierefrei zu gestalten. Jeder Auftraggeber, Konkurrent, Kunde oder einfach nur ein interessierte User kann sich davon überzeugen, dass Sie mit Ihrer Umsetzung des Webprojektes den neusten Technologien entsprechen. Dies vermittelt nicht nur den Eindruck das sie in Sachen Know-How auf dem neuesten Stand sind, sondern zeigt auch die professionelle Einstellung und Ihre fachliche Kompetenz in diesem Bereich und die ist bekanntermaßen dem Kunden gegenüber nicht zu unterschätzen.
7. Usability und Accessibility nehmen in letzter Zeit ( und das wird sich in der Zukunft nicht ändern ) immer mehr an Bedeutung zu. Diese können nicht zu letzt unter Berücksichtigung und dem optimalen Einsatz von Webstandards, verbessert werden. Zu den Aufgaben gehört dann nicht nur die Nachvollziehbarkeit der Navigationsstruktur oder die Logik des inhaltichen Aufbaus, sondern auch eine Kontrolle der Barrierefreiheit mithilfe von Barrieretests oder ein Usabilitytest. Dies alles sorgt für nachhaltige Kundenzufriedenheit und ein zufriedener Kunde ist immer der Grundstein der eigenen beruflichen Zukunft.
8. Die Vorteile der Webstandards ( (X)HTML, CSS, DOM, JavaScript ) werden durch immer neuere und aktuellere Browserversionen immer offensichtlicher. Die Möglichkeiten werden grösser und nicht kleiner. Da sich viele Browserhersteller ( neuestes Beispiel IE 7.0Beta ) eher an den Webstandards orientieren als anders herum, sind standardorientierte Projekte im Vorteil, da sie die Möglichkeiten und Funktionalitäten der Browser ausnutzen. Sicherlich sind die Fortschritte der einzelnen Browser unterschiedlich, aber der Anteil der Eigenschaften und Elemente die Webstandards voraussetzen werden von den Browsern in zunehmenden Maße interpretiert. Der Vorteile der Standards bezüglich CSS(3) und (X)HTML werden also auch in diesem Bereich eher ausagekräftiger.
9. Dieser Punkt schliesst nahtlos an das vorhergehende Argument an, denn zukunftssichere Produkte möchte jeder Kunde oder Anwender. Die Entwicklung der wir im Web unterliegen ist unglaublich rasant. Um so mehr sollte man sich daher darüber Gedanken machen, wie und in welcher Art und Weise wir die Informationen die wir anbieten wollen, entwickeln und präsentieren. Wer weiss, wo wir in 30 oder gar 50 Jahren stehen. Egal wo. Es wird ein Vorteil sein Content und Layout zu trennen und sich an der Semantik des Quellcodes ( Sinn und Bedeutung der Inhalte ) zu orientieren und die bereits jetzt grössere Vielfalt der Erreichbarkeit zeigt dies deutlich auf. Man wird einfach unabhängiger von Netzwerken ( Mobilität ) und Ausgabemedien ( Textbrowser, PDA, Smartphones, Screenreader etc. ).
10. Valider, wohlgeformter und semantischer Quellcode gewährleistet nicht nur die Aufwärtskompatibilät eines jeden Projektes, sondern er ermöglicht es auch innerhalb eines Entwicklerteams schnellstmöglich Änderungen und Anpassungen vornehmen zu können. Jeder der diesen Job bereits über Jahre hinweg macht, weiss was ich meine. Jeder Entwickler entwickelt im Laufe der Zeit einen eigenen Stil ( früher waren einige schon anhand ihres "leer.gif" oder "spacer.gif" zu erkennen ) mit dem er Projekte umsetzt. Früher hatte man riesige Tabellenkonstrukte, bei denen es oft nicht einfach war sofort alles zu finden, geschweige denn zu ändern. Webstandards können dafür sorgen, dass man selbst einem neuen Kollegen oder Nachfolger alles ohne grosse Probleme erklären kann und dieser es sofort versteht, denn letztendlich zählt auch hier das Motto. "Time is Money".
Zusammenfassung:
- 1. erhöhte Reichweite
- 2. bessere Performance
- 3. Flexibilität des Quellcodes
- 4. verbesserte Suchmaschinenergebnisse
- 5. Kostenersparnis
- 6. Publicity- und Imagegewinn
- 7. Usability und Accessibility bringen Vorteile
- 8. Ausnutzen neuester Browsereigenschaften
- 9. Zukunftsorientiert
- 10.organisatorische Vorteile















24 Feb 2006, 08:40
Hi,
zusammenfassend lässt sich das aufteilen in drei grobe Bereiche:
1. Vorteil für den Seitenersteller, da er dadurch Professionalität zeigt. Naja, davon halte ich nicht viel. Sich selbst auf die Schulter klopfen bringt nicht viel, und Andere, die vo der Materie Nichts verstehen, werden es nicht zu schätzen wissen.
2. Vorteile für den Auftraggeber, Kostenersparnis: Das stimmt so nur auf längere Sicht. Kurzfristig gesehen erfordert das erstmal eine höhere Investition. Theoretisch zieht dieses Argument durchaus, in der Praxis wird es dagegen, wie ich befürchte, kaum eine Bedeutung haben.
3. Vorteile für den Kunden/Surfer/Konsumenten: Hier bleibt tatsächlich ein wesentlicher Vorteil übrig. Dieser Vorteil ist zwar zur Zeit noch nur in bestimmten Fällen wirklich relevant (Stichwort Accessibility), wird aber täglich bedeutender. Jeder Tag, den man länger im alten Trott Seiten gestaltet, erschwert das Umsteigen auf ganz neue Möglichkeiten weiter. Denn jeden Tag entwickelt sich die Technik weiter. Wer irgendwann aufhört, sich selber ständig zu verbessern, hat den ersten Schritt ins totale Abseits getan. Gut, als Hobby-Webentwickler kann ich es mir leisten, frei von Vorgaben und Zeitdruck meine Techniken weiter zu verbessern. Für Profis ist das sicher schwerer, aber umso wichtiger.
24 Feb 2006, 09:52
@Siegfried: Wieso sich selber auf die Schulter klopfen? Professionalität aufzuweisen hat nichts mit Selbstbeweihräucherung zu tun. Warum sollte auch ein Laie alles verstehen können. Ich kann schliesslich auch keine Flugzeuge bauen. Ich bin in diesen Beruf seit Mitte der 90er und ich weiss was es an Mehrarbeit bedeutet, wenn man unprofessionell arbeitet. Und das Laien verstehen warum Webstandards von Vorteil sind, sollte ebenso unsere Aufgabe sein. Denn wenn nicht wir, wer soll es dann tun? Der Sohn 13-jährige Sohn deiner Nachbarin von nebenan, weil er schon mal 'ne Webseite gebastelt hat?
Wer hat geschrieben das bereits eine Kostenersparnis sofort auftritt? In Punkt 5 wird deutlich erwähnt, dass reine Produktionskosten durchaus höher liegen können und sich diese erst im Laufe der Zeit amortisieren. Das dies bei grossen Projekten eher der Fall ist, als bei kleinen, liegt dann wohl nahe.
24 Feb 2006, 10:14
Hallo,
ich finde diese Auflistungungen sehr gut argumentiert, auch die folgende Diskussion ist wichtig und richtig.
Auch die Punkte zur SEO sind richtig, da semantischer Code nicht nur valide und "CSS auf Teufel komm raus" bedeutet, sondern auch die korrekte (semantische) Verwendung von den vorhandenen Tags, also Überschriften, Listen, Absätze, etc. Dadurch wird gerade im Bezug auf Webstandards eine ideale Voraussetzunge für Suchmaschinen geschaffen.
Ich persönlich vertrete die Meinung, dass ein Webentwickler mit der Entwicklung gehen muss, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Deshalb denke ich, dass ein CSS-Design so auch kurzfristig schnell und kostengünstig umgesetzt werden kann (Punkt 5), wenn man die Materie beherrscht. Ich persönlich investiere viel meiner privaten, freien Zeit in mein Wissen und Können, die ich meinen Kunden natürlich nicht in Rechnung stellen kann. Aber diese zusätzliche Arbeit ist wichtig für meinen Erfolg und macht sich später auch finanziell bemerkbar.
24 Feb 2006, 11:35
Hi,
Professionalität sollte bei Profis eine Selbstverständlichkeit sein. Aus dem Gefühl der Professionalität einen Vorteil für standardkonformes Webdesign abzuleiten halte ich für nicht so besonders toll. Gut, es hilft zur Selbstmotivation. Aber ansonsten würde ich diesem Aspekt einfach sehr viel weniger Bedeutung zumessen.
Der andere Punkt sind Kunden. Diese wissen i.d.R. die Vorteile von standardkonformem Design nicht zu schätzen. Woher auch? Schließlich ist das nicht ihr Job. Wie Du schon schriebst, ich kann auch keine Flugzeuge bauen. Ob aber Kunden von diesen Vorteilen überzeugt werden müssen? Nun ja, interessierte Kunden bestimmt. Aber der Durchschnittskunde dürfte schlicht an der Kosten/Nutzen Relation interessiert sein. Hier kann man möglicherweise mit der Kostenersparnis auf längere Sicht argumentieren. Das Problem ist, daß auf jeden Fall der Vergleichswert fehlt. Wenn eine Seite nach Webstandards erstellt wird, dann fallen in Zukunf Wartungskosten der Höhe X an. Niemand kann jedoch garantieren, daß bei einer altertümlichen Seite die Wartungkosten bei Y (mit Y sehr viel größer als X) liegen würden. Wer Fachkenntnis hat, kann davon mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausgehen. Wer keine Fachkenntnis hat, dem fehlen dazu alle Grundlagen für eine Einschätzung.
Ich finde die hier niedergeschriebenen Gedanken nicht falsch! Sie sind durchaus richtig. Nur sind Einige davon viel zu sehr Entwickler-fokussiert und haben für den Rest der Welt keine oder eine geringe Bedeutung. Für mich als Entwickler ist es sicher eine große Befriedigung, eine Webseite zu erstellen, die nicht nur gut aussieht, sondern auch so standardkonform ist, daß sie auch mit Lynx gut aussieht, sich gut vorlesen lässt, auf Bildschirmen von 320x200 bis 1024x768 oder größer gut aussieht, und auf Schwarz-Weiß Bildschirmen ebenfalls u.s.w.u.s.f. Ein mittelständischer Geschäftsmann kann noch davon überzeugt werden, daß viele seiner Kunden nicht mit dem IE und nicht mit der Auflösung von 1024x768 surfen. Die technischen Details, wie diese Webseite dennoch für diese Kunden nutzbar wird, interessieren ihn nicht. Deswegen messe ich diesem Punkt einfach deutlich weniger Bedeutung bei, das ist Alles.
In einem Land und zu einer Zeit wo Geiz Geil ist, frage ich mich, ob man nicht vielleicht professionell ist, wenn man schnell und billig Massenware produziert (Webseiten ala Aldi). Die Macher von Aldi sind knallharte Profis, die wissen, was sie tun. Wer stattdessen lieber urdeutsch auf solide Qualität Wert legt, wird vielleicht feststellen, daß er damit im Geschäftsleben nicht viel weiter kommt. Ich muß aus Budgetgründen meine Lebensmittel auch bei Aldi und Lidl einkaufen und nicht beim Feinkostspezialisten in der Innenstadt. Klar wäre mir Feinkost lieber. Kann ich mir aber nur selten leisten. So werden viele Firmen eben auch eher Fastfood-Webseiten kaufen wollen. Kann ihnen auch Niemand verdenken.
Sorry wenn ich hier ab und zu etwas polemisch werde. Ich bin reiner Hobby-Webentwickler und kann daher ohne Zwänge so viel Zeit in standardkonforme Seiten investieren, wie ich will. Aber ich habe sehr sehr oft mit den oben angesprochenen Argumenten zu kämpfen (und noch etlichen mehr) und neige daher manchmal zu etwas Sarkasmus.
24 Feb 2006, 11:49
Wo wäre Deutschland ( und damit meine ich auch ALDI ), wenn es keine Standards oder Normen gegeben hätte oder immer noch gibt? Mit welchem Recht darf ich einem Durchschnittskunden Webstandards vorenthalten? Weil es für Ihn so preiswerter ist? Webstandards sollte nicht für eine bestimmte Elite gedacht sein, die es sich im wahrsten Sinne des Wortes leisten können. Es liegt an einem selbst ob man die Standards so anbietet, dass es die kleineren Kunden teurer werden würde. Oder soll Aldi dir alte Milch verkaufen, weil du nicht gleich 100 Tüten kaufst? Der angesprochene Publicity- und Imagegewinn gezog sich im übrigen nicht auf den Entwickler, sondern in erster Linie auf den Kunden (denn der bezahlt letztendlich die Rechnung). Es Polemik und Sarkasmus ist vollkommen ok, hier wird auch kein Kommentar geblockt. Eine Diskussion wie diese soll ja entstehen.
24 Feb 2006, 12:15
Hi,
Schön daß man hier auch mal etwas polemisch werden darf ohne daß gleich die Welt zusammenbricht :) Ich meine das hier wirklich nicht als Angriff, weder auf Webstandards noch auf die Schreiber hier. Ich selber für mich lege sehr viel Wert auf Standardkonformität. Nicht nur aus technischer Neugier, sondern auch aus Neugier über Themen wie soziale Interaktion, Wahrnehmung, Denken, Kultur, Emotionen und Dergleichen. Die Beschäftigung mit Menschen führt im Zusammenhand mit Webseiten auf jeden Fall zu Standardkonformität.
Ich als Hobby-Entwickler kann es mir leisten, eine Webseite standardkonform anzubieten oder eben gar nicht. Kann das auch Jemand, der damit seine Brötchen verdient? Ich kann es mir leisten, für selbst kleine Sites ziemlich lange zu brauchen, da ich das ja auch nur in meiner sehr spärlichen Freizeit mache. Kann das auch Jemand, der auf regelmäßige Einkünfte durch Webseitengestaltung angewiesen ist?
Meine Frau arbeitet bei Wella (Modebranche, Haarkosmetik), früher im Kundenservice. Vor Jahren bereits haben sich beim Kundenkreis dieser Firma, bei den Friseuren, zwei sehr unterschiedliche Trends ausmachen lassen. Zum Einen gibt es erfolgreiche Salons im Spitzen-Qualitätsbereich. Diese Salons machen oft beachtliche Umsätze mit Margen, daß man blass vor Neid werden könnte. Auf der anderen Seite nehmen die Billiganbieter zu. Das Mittelfeld stirbt immer mehr aus. In anderen Branchen scheint das ähnlich zu sein. Ich fürchte, bei den Webdesignern wird es eine ähnliche Entwicklung geben. Die Webkrauts oder die Macher von "einfach-für-alle" werden in Zukunft sicher zu den "Spitzensalons" gehören. Der Markt dafür wird sicher vorhanden sein. Der Markt für Billiganbieter wird ebenfalls vorhanden sein. Nur dazwischen wird es immer weniger geben. Man wird sich also als Webentwickler entscheiden müssen...
25 Feb 2006, 11:40
Standardkonforme Anwendungen nicht mehr anbieten zu können, dürfte sich im professionellen Bereich niemand mehr erlauben, wenn er den Kunden auch in Zukunft behalten oder neue hinzugewinnen will. Und ich hoffe nicht, dass die von dir angesprochene 2-Klassengesellschaf in Bezug auf Webanwendungen sich ein Beispiel an anderen Branchen nimmt.
16 Mär 2006, 12:27
Manueller Pingback: http://jeenaparadies.net/weblog/2006/mar/argument-fuer-webstandards
Bau hier doch mal Pingbacks ein und speichere irgendwie die Userdaten dieses Forumlars in einem Cookie ab, sonst muss ich das jedes mal wieder eingeben ;-).
17 Mär 2006, 08:22
Werd' ich mal an den Anbieter weitergeben, guter Einwand ( vorallem bezüglich des Formulares ).
24 Mai 2006, 02:31
Ich glaube,dass Siegfried mit seiner Mutmaßung des
2-Klassen-Webdevelopments recht hat. Soziopolitisch gesehen ist unsere Gesellschaft auf dem besten Weg dorthin. Auch in einem Dienstleistungssektor wie dem eurer Branche wird daraus es hinauslaufen - der Konkurrenzkampf wird immer bestehen. Ausserdem wird durch die Informationsflut der kommenden Jahre/Jahrzehnte das Entwickeln von Webanwendungen zu einer Art Massenproduktion.
Anderes Thema: Ich finde die Argumentation für Webstandards sehr gelungen. Ausserdem hat sie mir als baldigem Berufseinsteiger geholfen,meinen Sinn für Webtrends zu schärfen. Werde deinen Blog weiterhin im Auge behalten. :-)