Online Magazine Technology Review in neuem Gewand

In diese Meldung hatte ich als Leser des Online-Magazines die Hoffnung gesteckt, dass es sich von seinem alten wenig standardkonformen Auftritt getrennt hat und neue Maßstäbe setzen würde. Leider belehrte mich die Umsetzung der deutsche Ausgabe von Technology Review eines anderen.

Ihr neuer Internetauftritt ist zwar inhaltlich und grafisch überarbeitet worden, wodurch er sich laut Heise dadurch grafisch gesehen leichter und transparenter, präsentiert. Um die optische Qualität des gedruckten Magazins online ideal zu repräsentieren, sollen zudem zukünftig in loser Folge auch Bilderstrecken aus dem Heft online gestellt werden. Das Technologiemagazin des Heise Zeitschriften Verlag GmbH & Co. KG erscheint seit August 2003 und soll Antworten auf Fragen wie die folgende geben: "Was können wir mit Technologie anfangen?" und "Wo liegen die Chancen für die Zukunft?". Technology Review soll damit eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft schaffen. Alles sehr vorbildlich. Bis hierher!

Denn der Web-Auftritt weist in Sachen Standards, Semantik, Usability und Accessibility, enige Ungereimtheiten auf. Ich möchte an dieser Stelle nicht die einzelnen Elemente der Struktur der Seite diskutieren, sondern einfach nur eine Diskusion anstossen, warum es einem Online-Magazin für Technologie mit diesem Format, nicht möglich ist oder war, zukunftweisend mit Standards zu arbeiten. Sicherlich ist es immer auch von technischen Umständen ( CMS etc. ) eines jeweiligen Projektes abhängig, was aus einem Relaunch werden kann. Hier allerdings werden Tabellengerüste zum Layouten der Seite genutzt ( ohne die noch nicht einmal ein Abstand der Layoutspalten vorhanden wäre ), ein DOCTYPE wird überhaupt erst gar nicht definiert und Alt-Text werden unregelmäßig oder gar nicht gesetzt, so dass jene User die darauf angewiesen sind, keine Informationen an dieser Stelle erhalten.

Navigationen werden auf drei(!) verschiedene Arten und Weisen realisiert. Mal mittels Liste, mittels zahlreicher Absätze oder mit Tabellen. Divs, spans und weitere Elemente die den Standards zugehörig sind, sind im neuen Auftritt auch vertreten. In dem Tabellenlayout ( wahrscheinlich von einem CMS "erstellt" ) finden sich dann Überschriften, Absätze ect. wieder, so wie sie eigentlich verwendet werden sollten. Desweiteren wird die berühmt berüchtigte leer.gif Variante ( hier: 1pix.gif ) verwendet, um das Layout überhaupt erst zu erzeugen. Das Ganze erinnert mich irgendwie an den gestern von mir gelesen Artikel "How to Sniff Out a Rotten Standardista" von Molly E. Holzschlag. Die Priorität bei einer Projektumsetzung wie diesem, sollte nicht ausnahmslos auf validem Quellcode oder fehlerfreier Realisierung eines Webauftrittes liegen, denn schliesslich definiert sich das Magazin über Inhalte. Und gerade beim Einsatz eines CMS und der vorhergehenden Struktur des gesamten Projektes kann es durchaus vorkommen, dass eine Seite am Ende nicht vollkommen valide ist. Was auch absolut ok sein kann. Aber Kriterien im Sinne der Barrierefreiheit und Semantik so zu vernachlässigen und das bei einem so techniklastigem und zukunftsorientierten Magazin, ist meiner Meinung nach schon ein wenig unverständlich.

Nicht schon wieder so 'nen Idealist bezüglich Webstandards, könnte jetzt der ein oder andere denken. Es geht hier ja auch nicht darum, sich über etwas oder jemanden auszulassen. Sondern darum, Entwickler dafür zu sensibilisieren worauf unsere Arbeit beruht. Zukunftsorientiertes Arbeiten an und mit Projekten und dazu gehört eben auch die Berücksichtigung bezüglich Barrierefreiheit, Semantik und der korrekte Einsatz von Webstandards. Dient dieser Beitrag hier eher dazu eine Kritik loszuwerden oder um einen interessanten und nützlichen Linktipp abzugeben? Eigentlich sollte es letzteres werden, wobei ich einfach nicht ohnehin konnte, ein wenig Kritik loszuwerden. Denn auch der neu integrierte Weblog, ermöglicht Kommentare erst wenn man sich registriert hat, was den ein oder anderen sicherlich zu dem Schluss kommen lässt, sich erst gar nicht registrieren zu wollen.

Des weiteren sollen ab jetzt im Technologiemagazin jeden Tag Redakteure und Online-Journalisten zu aktuellen Themen Stellung beziehen sollen und sich über interessante Themen ( bspw. Durcheinander 2.0 ) äußern und zu Diskussionen einladen, die meines Erachtens auf Grund der "Einschränkung" ( Registrierung ) hinter normalen Blogdiskussionen ( interessanten Themen vorausgesetzt ) zurückbleiben werden. All dies und das meiner Meinung nach wenig ansprechende Design, trägt nicht gerade dazu bei einen positiven Abschlusskommentar formulieren zu können. Als interessierte Leser des Magazines, stehe ich mit meiner Meinung, was die neue Umsetzung betrifft nicht alleine da ( wie die Diskussion im Beitrag heise beweist ). Mich würde interessieren, welche der folgenden Äußerungen Eurer jeweiligen Antwort entsprechen würde und vorallem warum?

1. Ist doch egal ob mit oder ohne Standards, barrierefrei oder ob Validität oder nicht, Hauptsache gute und interessante Beiträge und Informationen.

oder

2. Schade, man hätte beides ( Inhalt und Struktur ) sehr gut miteinander verbinden und eine zukunftsorientierte Lösung finden können.

Update 28.02.06: Der Barrierekompass veröffentlichte heute nachmittag einen Artikel, der anscheinend zu dem selben Fazit kommt wie ich.

  1. B. Scheuert
    28 Feb 2006, 10:02

    Moin - Moin,

    in einem Punkt stimme ich dir voll und ganz zu, Die User überlegen, ob sie sich wegen eines Kommentares auf einen veröffentlichten Artikel anzumelden.

    In der letzten Zeit wird im TV öfter über Datenmissbrauch berichtet und da die Wege meist nicht zurück verfolgt werden können, hat der User keine rechtliche Handhabe gegen Datendiebe.

    Zum Auftritt selber ist zu sagen, er ist ansprechend. Evtl. hat Firmenintern ein Wechsel in dem Bereich Webdesign/Webentwicklung stattgefunden und es wird nun eine andere Philosophie verfolgt. Das ist für mich die einzigste Erklärung. Denn warum sollte man plötzlich auf all das (Barrierefreiheit & Usability) verzichten. Die evtl. neue Person hat vielleicht nicht soviel Ahnung oder Zeit die Vorgaben vernünftig umzusetzen.

    Das sind zwar nur Vermutungen, aber sehr naheliegende.

    Evtl. hat heise Statistiken über die Nutzung von gehandycapten Usern und sagt sich der betriebene Aufwand für Usability & Co lohnt sich nicht für drei Besucher im Monat. Die Umsetzung kommt heise doch durch den Mehraufwand teurer, da die Programmierer Überstunden machen müssen. So hat heise die Möglichkeit auch weniger gut ausgebildetes Fachpersonal einzustellen.

    Das sind so meine Gedanken und Eindrücke.


  2. Nicolas
    28 Feb 2006, 11:07

    Ebenfalls Moin,

    ich finde diese Website völlig indiskutabel – von D, wie Design, bis W, wie Webstandards ;-) Ich wundere mich, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, darüber zu schreiben.

    Aber das Magazin scheint interessant zu sein. Danke für den Hinweis.

    Grüße


  3. Jörg Gottschling
    28 Feb 2006, 11:25

    Sehr interessant dieser Artikel. Ich bin ein wenig enttäuscht von Heise, den die Jungs und Madels dort sollten es ja eigentlich besser wissen und können. Auch wenn die Implementation vielleicht außer Haus geschehen ist, hätte man doch Richtlinien setzen können.

    Ich hatte mich gestern schon ein wenig mit dem Blog beschäftigt und hatte etwas anderes anzumerken: Kein RSS-Feed für den Blog!
    (http://www.myndian.de/blog/archives/30-Technology-Review-Blog.html)

    Ich vermute mal Trackbacks und ähnliches werden auch nicht funktionieren. Sieht mir insgesamt nach einer technisch halbgaren Lösung aus. :-(


  4. molily
    28 Feb 2006, 12:45

    Die Kritik am Registrierungszwang ist hier doch etwas einseitig. Heise verwendet Site-übergreifend dasselbe Forensystem. Es ist ein echtes Thread-basiertes Forensystem, keine bloße Kommentarfunktion wie in Weblogs. Zum Diskutieren sind Board-artige Kommentarfunktionen sowieso wenig sinnvoll.
    Wenn also Heise im TR-Blog auf dasselbe Forensystem setzt, so ist dies erst einmal auch benutzerfreundlich: Auf allen Heise-Sites kann man mit demselben Login funktional gleiche Foren benutzen.
    Im Übrigen gibt es noch andere Gründe für den Registrierungszwang. Heise hatte einige rechtliche Probleme. Bevor man Content in deren Foren veröffentlichen darf, muss man den Nutzungsbedingungen zustimmen. Diese rechtlichen Fragen stellen sich bei allen großen Forenbetreibern und es ist nicht einfach wegzudiskutieren. Wer da gleich mit »Datenmissbrauch!« kommt, hat einfach die Sachlage aus Sicht der Forenbetreiber nicht verstanden.
    Ich will Heise nicht verteidigen, aber diese Umstände existieren nun einmal.


  5. Webstandard-Team
    28 Feb 2006, 13:03

    @molily: Da mir Heise bekannt ist, war auch klar das es sich bei Technology Review um dasselbe Forensystem handelt. Aber wenn Weblog, dann doch bitte User uneingeschränkt kommentieren lassen, oder nicht? Foren sind doch ok, da weiss man auch das man sich registrieren muss. Meine Absicht ist es auch nicht Nutzungsbedingungen etc. wegzudiskutieren oder Datenmissbrauch zu unterstellen und den ersten Kommentar dahingehend, verstehe ich auch ein wenig anders. Es ist mir auch klar, dass nicht nur konzeptionelle Dinge bei einem solchen Projekt von Bedeutung sind, sondern auch rechtliche und "politische" Argumente. Aber meine Argumente gingen auch eher in eine andere Richtung (Umsetzung). Und alles damit begründen zu wollen, dass es rechtliche Probleme gibt oder geben kann, ist für mich einfach etwas zu wenig. Warum dann einen neuem Web-Auftritt, wenn man kaum etwas ändern "darf"?


  6. B. Scheuert
    01 Mär 2006, 12:04

    Hier im Webstandardblog funktioniert es auch ohne sich zu registrieren. Man könnte vor Absenden eines Beitrags AGB einblenden lassen und diesen nur bei einem OK aufnehmen. IPs und alles weitere wird doch eh registriert.

    Aber ich wollte diesen Punkt vom Datenhandel nur mal mit aufnehmen.

    Zurück zum Beitrag selbst. Wie schon gesagt denke ich an Einsparungen von Gehältern. Die Seite funktioniert und kostet in der Erstellung wohl weniger - da schneller erstellt.

    Wichtiger finde ich jedoch Jörgs Hinweis, dass RSS-Feeds usw. nicht vorhanden sind. Das sollte schon drin sein und wertet die Site enorm ab.


  7. Kai Laborenz
    01 Mär 2006, 20:56

    Naja, was die Registrierung betrifft, so habe ich angesichts der Erfahrungen mit dem heise-Forum vollstes Verständnis, dass sie wenigsten eine gültige Email verlangen.

    Aber in allem anderen bin ich ganz Deiner Meinung.


Artikel kommentieren





HTML ist erlaubt und ausdrücklich erwünscht, wobei folgende Tags eingesetzt werden können: <a href="" title=""></a> <b></b> <cite></cite> <code></code> <em></em> <strong></strong>


authimage