Wie misst man Usability?

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Wie misst man die Usability der eigenen Webanwendung oder eines Redesigns, wenn man keine Software wie Eyetracking ( hiermit werden Blickbewegungen mittels einer Augenkamera aufgezeichnet ) oder ein Usabilitylabor samt Versuchspersonen zur Verfügung hat? Nicht jeder hat die Zeit, geschweige denn die finanziellen Mittel einen ausführlichen Usabilitytest durchführen zu können ( Video-& Screencamaufzeichnungen, Versuchsleiter, Aufnahmeleiter, Zielgruppen etc. ) zu unterziehen. Erfahrene Entwickler und Designer wissen worauf es bei der Umsetzung einer Webanwendung ankommt, da sie sich in ihrem alltäglichen Umgang mit dem Medium weiterentwickeln. Das wiederum kann vom User nicht ohne weiteres erwartet oder gar verlangt werden, um bspw. eine Shop-Anwendung überhaupt korrekt nutzen zu können.

Deshalb ist es enorm wichtig die eigentliche Zielgruppe zu verifizieren, um dann die entsprechenden Anforderungen umsetzen zu können. Aufgrund der eigenen Erfahrung die man im Umgang mit dem eigenen Projekt entwickelt ist es oft unmöglich die gebotene Distanz zu wahren. Wichtig ist es daher, Tester zu finden die der gewünschten Zielgruppe entsprechen. Eine solche Zielgruppe wird aufgrund soziodemographischer Merkmale wie dem Alter, Geschlecht, Beruf oder dem Einkommen oder anhand psychographischer Merkmale ( bspw. Verhalten, Leistungsstreben, Wertvorstellungen ) definiert. Das Ziel eines solchen Test ist es nun nicht herauszufiltern, wo die Anwendung technische oder grafische Fehler oder Inkompetenz aufweist, sondern wo der User der ermittelten Zielgruppe Schwierigkeiten hat, den optimalen Nutzen für sich aus der Anwendung ziehen zu können.

Es existieren viele Methoden zur Evaluation von Usability, die sich hauptsächlich dahingehend unterscheiden, dass relevante Aspekte entweder von Experten oder von potentiellen Endnutzern ( benutzerorientiert ) getestet werden. Einige Leser berichten das sie die eigenen Anwendungen von Freunden, Bekannten oder Arbeitskollegen testen lassen. Wer hierfür eine kleine Unterstützung in Sachen Fragestellung und Kategorisierung der Anwendung an die Hand haben möchte, dem dürfte unter Umständen mit der Vorstellung der folgenden Methode geholfen werden.

Web Usability Index

Eine bekannte und häufig angewandte Methode ist der Web Usability Index. Mittels dieser Methode werden die zu beurteilenden Bereiche in verschiedene Kategorien unterteilt, um dann später eine explizite Analyse und Beurteilung zu diesen erstellen zu können.

Kategorien der Beurteilung
  • Navigation und Orientierung ( Navigation, Orientierung, Hierarchie Suche, Sitemap, Links, Querverweise, Listen )
  • Interaktion und Informationsaustausch (Benutzer-Orientierte Führung, Benutzerfragen, Glossar, Meldungen, Rolle der Benutzer )
  • Aktualität und Qualität ( Aktualität der Informationen, Zuordenbarkeit und Genauigkeit der Informationen )
  • Informations- und Textdesign ( Größe und Kontrast der Darstellung ( Schriftgrösse etc.), Informationsstrukturierung, Gestaltung von Icons, Gestaltung von Textinformation, Gestaltung von Bildinformation, Überschriften, Stil, Internationalisierung, Textformatierung, Grafiken/Bilder )
  • Auffindbarkeit und Zugänglichkeit ( Webadresse, Technische Zugänglichkeit, Zugänglichkeit für Behinderte, Geschwindigkeit des Aufbaus der Seite )

Web-Usability-IndexMit diesem Index ist es möglich, entsprechend der Bewertung, ein Maß an Einschränkungen oder Mängeln in Sachen Usability für die zu evaluierende Anwendung berechnen zu können. Die gesamte Checkliste ist hier unter anderem als Microsoft Excel Tabelle kostenlos zu erhalten. Die Beurteilung der einzelnen Fragen lässt 5 verschiedene Bewertungsmöglichkeiten ( plus der Möglichkeit den Fragepunkt als "Nicht zutreffend" bezeichnen zu können ) zu, um so eine differenziertere Bewertung erhalten zu können. Das interessante an dieser Anwendung ist, dass die Ergebnisse numerisch und grafisch ( im Überblick und detailiert ) ausgewertet werden und somit die bestimmten Bewertungskriterien der Kategorien deutlich machen.

Bewertungsskala
  • Sehr gut
  • Gut
  • Befriedigend
  • Ausreichend
  • Mangelhaft
  • Nicht zutreffend
Formel zur Berechnung der Usability-Mängel einer Anwendung

Ob und in wie fern eine Anwendung Mängel in Sachen Usability und Accessibility aufweist, ist hiermit mathematisch belegbar in Form einer Prozentangabe belegbar. Wobei ein niedriger Wert, wenig Mängel aufweist und bei einem hohen Wert, viele Mängel oder Einschränkungen vorliegen. Aufgrund der Kategorisierung, können die einzelnen Bereiche auch unabhängig von einander beurteilt bzw. bewertet werden

Formel:
( ( Summe der Fragenwerte – Anzahl der beantworteten Fragen) / ( Anzahl der Fragen – Anzahl der Nicht zutreffend beantworteten Fragen ) x4 ) x 100

Beispielaufgabe:
50 gestellte Fragen, 25 ( mit sehr gut beantwortet ), 15 x gut, 5 x befriedigend, 2 x ausreichend, 1 x mangelhaft und 2 mit nicht zutreffend.

Rechnung: (( 83 - 48 ) / (( 50 - 2 ) x 4 )) x 100 = 18,23%

Fazit: Dieser Tests ermöglicht keine Evaluierung bis ins kleinste Detail einer Anwendung, auch wenn die Kategorien den Ansprüchen der eigenen Anwendung entsprechend angepasst werden kann. Mit ihm kann aber ein guter Einstieg zu Einschätzung der Usability Mängel erfolgen, denn der Test ansich ist damit nicht abgeschlossen. Nun ist die eigentliche Notwendigkeit einer Bewertung erst erkannt. Bei einem grossen und umfangreichen Relaunch bspw. könnte ein solcher Test nun mittels der verifizierten Kriterien, ausschlaggebend für den Erfolg oder Misserfolg sein. Kleinere Projekte hiermit die Möglichkeit, dank der Ergebnisse des Web Usability Index, die Mängel beheben oder zumindest einschränken zu können.

Wessen Interesse in Sachen Usability nun ein wenig mehr geweckt sein sollte, findet anbei noch ein paar Links zum Thema. Wer weitere lesenswerte Artikel, Seiten oder Bücher zu diesem Thema kennt, kann diese ( bzw. die Links dazu ) hier gern posten. Viel Spass!

Usabilitylinks für Interessierte

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  1. macx
    24 Mai 2006, 12:23

    Um Usability (Tests und Tipps) geht es derzeit im Technikwürze-Podcast auf www.technikwuerze.de. Dort kann man allerdings nichts lesen, sondern vielmehr hören.


  2. Webstandard-Team
    24 Mai 2006, 12:43

    Nichts gegen hören David, mal was anderes ;o) Danke für den Tipp


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