Die Typografie dominiert das Web

Als recht textlastiger Weblog, greife ich interessehalber einmal eine These der Information Architects auf. In einem Artikel des Weblogs der Agentur aus Tokyo wird behauptet, dass das Web Design zu 95% aus Typografie besteht. Sicherlich gibt es gerade immer mal wieder zahlreiche gute Beispiele die diese These auf eindrucksvolle Art und Weise widerlegen, aber meiner Meinung nach ist der textliche Inhalt einer Webseite, oft immer noch das Hauptargument für einen Besuch. Sicherlich sollte man bei der Überlegung zu dieser These berücksichtigen, dass Weblogs im allgemeinen und Webapplikationen ( bspw. Webshops ) unterschiedliche Zielsetzungen haben. Die einen wollen "informieren" und die anderen eher den Umsatz steigern und dabei sind Bilder von den Produkten hilfreicher und vor allem einladender als Texte. Eine gute Typo widerum erleichtert die Lesbarkeit und das Erfassen von Inhalten, was ebenso zu einem positiven Empfinden des Lesers beitragen kann.

Focus-Online Vergleich

Um die These entweder bestätigen zu können oder gar zu korrigieren, sollte man den Begriff Webdesign etwas näher beleuten. Was also gehört eigentlich zum Webdesign? Laut Wikipedia, umfasst dies die Gestaltung, den Aufbau und die Nutzerführung von Webseiten. Gehören also die Images in den Artikeln von Focus-Online ( siehe obere Abbildung ) oder die Bilder in den Produktbeschreibungen eines Versandhauses ( siehe untere Abbildung ), zum Web Design?

Und was ist nun Typografie? Sie ist die Kunst, Druckerzeugnisse mittels Schriftzeichen, Flächen und natürlich Farben so zu gestalten, dass die Inhalte einer Webseite ( geschriebene Texte ) eine gute Lesbarkeit erreichen. Diese Merkmale werden durch die Mikrotypografie ( die Gestaltung des Satzes zwischen Buchstaben und Zeichen, Wörtern und Zeilen ) die Makrotypografie bestimmt ( der Aufbau, die Gliederung und das Verhältnis von Schrift zu Bild, der Schriftwahl und den Auszeichnungen ).

Otto.de Vergleich

Alle grafischen Elemente die bspw. durch einen Style-Guide definiert werden und zur Gestaltung und Nutzerführung einer Seite gehören und das sind meiner Meinung nach sämtliche Elemente eines Auftrittes, würde mich persönlich dazu bringen den oben genannten Wert eher etwas herabsetzen. Die zwei Beispiele allerdings lassen gut erkennen, in welchem die Typografie und deren Mittel, die tragendere Rolle spielt. Das Gestalten mit Schriften ( können auch Grafiken oder Images mit Schriften sein, bspw. Logo ) ist immer noch eines der wichtigsten Mittel überhaupt, um eine gute Struktur zu erstellen und eine Hierarchie für die Inhalte schaffen ( Seitentitel, Artikelüberschriften, Text etc. ). Genau dies ist in dem einen Bereich wichtiger als in dem anderen. Daher lässt es sich schwer verallgemeinern, wie hoch dieser prozentuale Wert der oben genannten Behauptung im World Wide Web wohl liegen mag. Zur Verdeutlichung der Unterschiede, hier ein Versuch eines Vergleiches dieser beiden Seiten mit und ohne Bilder, ganz auf die typografischen Elemente ( Grafiken mit Schriftzügen, Logos etc. ) beschränkt.

  1. Thibaud
    08 Nov 2006, 14:24

    Aber ein Bild, das nur aus Schirft besteht, ist auch Typografie. Man kann also nicht einfach alle Bilder streichen und sagen: Jetzt sehen wir die ganze Typografie.


  2. Webstandard-Team
    08 Nov 2006, 15:01

    Absolut korrekt, es wurde ja auch nichts gegenteiliges behauptet. Zum besseren Verständnis wurden dafür extra die weiterführenden Links hinzugefügt, die diese verschiedenen Begriffe ausführlicher erläutern.

    Deshalb hier nun ein kleines, aber anscheinend notwendiges Update, zum besseren Verständnis, des letzten Satzes:

    Alt: Zur Verdeutlichung der Unterschiede, hier ein Vergleich dieser beiden Seiten mit und ohne Grafiken, ganz auf typografische Elemente beschränkt.

    Neu ( siehe oben ): Zur Verdeutlichung der Unterschiede, hier ein Vergleich dieser beiden Seiten mit und ohne Grafiken, ganz auf die restlichen typografischen Elemente beschränkt.


  3. ConnyLo
    09 Nov 2006, 10:33

    Ich denke, da muss noch ein Abbildungs-Update her: die Typografie der Logos (hier „Fokus” und „Otto”) hat einen gewaltigen Einfluss auf den Gesamteindruck der Seite. Die Schriftzüge dominieren und korrespondieren mit den Texten der Seite. Eventuell (noch mehr Arbeit …) könnte man auch die Typo der Minibanner und Anzeigen mit einblenden, um festzustellen, inwieweit die Seitentypo fremde Elemente aushält.


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