Städteportale - Deutsche Großstädte und ihre Webseiten - Teil 2

Städteportale - Deutsche Großstädte und ihre Webseiten - Teil 2Städte-Portale - Ihr sucht einen Job oder eine Lehrstelle, seid auf der Suche nach Veranstaltungen oder Kinos in Eurer Nähe? Dann ist ein Besuch beim Online-Portal Eurer Stadt sicherlich eine der Anlaufstellen, um schnellstmöglich an die nötigen Informationen zu kommen. Wie gut diese Städte-Portale in Sachen Benutzerführung sind und welche möglichen Verbesserungen und Potentiale sich daraus ergeben würden, wurde im ersten Teil des Artikel-2-Teilers "Städteportale - Deutschlands Großstädte und ihre Webseiten" für Städte wie Berlin, Hamburg & Co. bereits beschrieben. Im 2.Teil folgen nun Stuttgart, Dortmund, Düsseldorf, Essen und die Hansestadt Bremen.

6. Stuttgart

Webdesign Stuttgart.de
Städteportale - Stuttgart

Der Webauftritt der Stadt Stuttgart ist vom farblichen Aspekt her gesehen, vom Stadt-Wappen abgeleitet. Das 3-spaltige Layout mit der links ausgerichteten vertikalen Navigation, dem mittig ausgerichteten Content und einer mal mehr mal weniger besetzen Marginalspalte auf der rechten Seite wirkt insgesamt recht aufgeräumt und übersichtlich. Die auch in diesem Städte-Portal verwendete Breadcrumb-Navigation nimmt allerdings zuviel Platz weg und sorgt somit für eine "Lücke" im Layout. Wenig hilfreich ist die meiner Meinung nach fehlende Verlinkung des textbegleitenden Bildmaterials, wie bspw. auf der Startseite. Das Stuttgarter Portal wirkt alles in allem sauber und gut strukturiert, aber irgendwie hat man beim Betrachten der Seiten den Eindruck, dass ihr das ein oder andere visuelle Higlight fehlt und dem Webauftritt der Stuttgarter sicherlich gut zu Gesicht stehen würde.

Einen Fehler der auch bereits auf anderen Städte-Portalen ausfindig gemacht worden ist und auch hier wieder auftritt, ist die falsche Bezeichnung des Bildmaterials. Die Bilder wurden bzw. werden einfach durchnummeriert. Ein Vorgehen, dass nicht nur in Sachen SEO eine äußerst ungünstige Vorgehensweise ist. Für die internationalen Besucher der Webseite wird der Content auf Stuttgart.de lediglich in einer "abgespeckten" englischen Version angeboten. Aufgrund der geografischen Nähe, hätte ich zumindest auch Content für Besucher aus Frankreich erwartet, die Stadt Stuttgart unverständlicherweise aber wohl nicht.

7. Dortmund

Webdesign Dortmund.de
Städteportale - Dortmund

Die Startseite von Dortmund.de wirkt aufgeräumt und hinterlässt beim webaffinen Anwender auch den Eindruck, dass diejenigen die dieses Portal umgesetzt haben, wussten was sie dort tun. Ins Auge des Betrachters bzw. des Besuchers der Webseiten dieses Städte-Portals fallen neben der horizontal ausgerichteten Navigation inklusive vertikaler Subnavigation, die mit unterschiedlichen Farben versehen ist, insbesondere auch die in diesen Kategorien wechselnden Headergrafiken die an der jeweiligen inhaltlichen Thematik ausgerichtet sind. Das Layout wirkt übersichtlich und kann zudem durch den gekonnten Einsatz von Text & Bild, wie bspw. für den Integrationspreis 2009 auf der Startseite, auch Emotionen transportieren. Außerdem bietet der Auftritt im oberen Bereich u.a. Feeds für News & Events aus der Stadt an. Ein kleines zusätzliches RSS-Icon würde die Präsenz sicherlich noch etwas hervorheben.

Als besonders hilfreich und Benutzerfreundlich ist das "Suchen & Finden"-Widget anzusehen. Dieses kleine Feature ermöglicht es den Besucher der Webseite, zu jeder Zeit auf jeder Seite des Portals, schnell und unproblematisch nach allen nur beliebigen Inhalten suchen zu können. Für vereinzelt gesetzte Interaktionen wurde im übrigen, wie beim Kölner Portal auch, dass JavaScript-Framework jQuery verwendet. Das internationale Angebot wird aktuell gerade Wartungsarbeiten unterzogen. Wenn diese abgeschlossen sind, sollen die Inhalte von Dortmund.de in englischer, spanischer und französischer Sprache erreichbar sein.

8. Düsseldorf

Webdesign Düsseldorf.de
Städteportale - Düsseldorf

Den ersten Eindruck den man beim Aufruf von Düsseldorf.de gewinnt ist, ist der wenig vorhandene Freiraum der für Text und Bild. Wie auf vielen anderen Städte-Portalen auch, kann der Content seine Wirkung auf diese Weise nicht wirklich entfalten. Die Schriftgröße ist überall einfach ein wenig zu klein, ein Aspekt der unter Umständen vor allem bei den etwas älteren Besuchern der Webseite für Probleme sorgen könnte. Eine Anpassung hier würde schon einiges hermachen und sich durchaus positiv auswirken. Die Überschriften der einzelnen Bereiche sind mit Hintergrundfarben versehen, wodurch sie sich vom übrigen Content her abheben und die Inhalte optisch voneinander separieren. Ein Aspekt der aufgrund der Kompaktheit eher positiv zu sehen ist. Ein wenig überraschend ist das Navigationskonzept der Rhein-Metropole. Denn die vertikale Navigation ist rechts ausgerichtet. Relativ präsent hingegen ist der links ausgerichtete Bereich zur Direktauswahl von Formularen, Terminen und Services der Stadt. Eine minimale Farbanpassung in diesem Bereich, wie bspw. bei der Sprachauswahl, würde sich sicherlich zusätzlich positiv auswirken.

Nicht sonderlich kreativ ist allerdings auch hier die Verwendung einer Layout-Tabelle zur Strukturierung des Webseiten-Layouts. Der Höhepunkt diesbezüglich, ist die in dieser Tabelle aufgeführte Summary - "Diese Tabelle beinhaltet den Strukturaufbau des Internet-Angebotes"! Den auf HTML 4.01 Transitional hin ausgerichteten Doctype kann man bei Durchsicht des Code durchaus als Alibi ansehen, um diesen nicht sauber umsetzen zu müssen. Keine schließenden Tags für Bilder, Umbrüche & Co. Auch wird die Überschrift h1, die eigentlich nur einmal in einem HTML-Dokument vorkommen sollte, an beliebigen Stellen mehrfach verwendet. Die eigentliche Überschrift "Landeshauptstadt Düsseldorf" wird im übrigen via CSS ausgeblendet. Aber es geht noch besser! Denn die durchaus zahlreichen Inhalte für diverse Fremdsprachen ( mit stark abgespeckten Inhalten ), bieten ein weiteres Highlight in Sachen Barrieren. Denn die Textinhalte, wie bspw. beim russischen Textangebot, werden als Grafik (!) in den Content eingebettet und das auch noch in schlechter Qualität. Einzige Ausnahme bildet hier das englischsprachige Textangebot.

9. Essen

Webdesign Essen.de
Städteportale - Essen

Die Startseite von Essen bietet dem Besucher zu allererst eine Auswahl zwischen einem englisch oder deutsch-sprachigen Auftritt. Ein Ansatz der sicherlich gut gemeint ist, aber eine leicht wahrnehmbare und benutzerfreundliche Sprachauswahl auf einer deutsch-sprachigen Startseite würde seinen Zweck sicherlich auch erfüllen. Wenn man den internationalen Besuchern des Portals so eine enorme Wichtigkeit zukommen lässt, warum sind dann die Inhalte des Webauftrittes in solch gekürztem Umfang vorhanden? Das Layout mit seinem hellblauem Farbhintergrund, dessen Farbe vielleicht in Anlehnung an das Blau aus dem Stadt-Wappen entnommen wurde, wirkt sagen wir mal "oldscool". Aber auch das 4-spaltige Layout wirkt alles andere als zeitgemäß. Das die Inhalte gequetscht wirken, überrascht dahingehend nicht. Aufgrund der mangelnden Platzverhältnisse, wechseln u.a. auch die Schriftgrößen, wodurch die "aktuellen Meldungen" der Stadt auch aufgrund der Position zwischen Navigation und Content vollkommen untergehen. Ein "Ortswechsel" dieses Bereiches in die rechte Marginalspalte würde die Wirkung des dort beinhalteten Contents deutlich erhöhen. Denn wenn wer auf der Suche nach aktuellen Informationen ist, möchte diese schnellstmöglich erhalten und nicht erst nach einer langen Suche zu Gesicht bekommen. Zudem könnten die Inhalte in diesem Bereich mit zusätzlichen Abbildungen die Information noch etwas emotionaler gestalten, so dass der ein oder andere Leser vielleicht sogar Interesse entwickeln könnte sich die News etwas näher anzusehen.

Auch dieses Städte-Portal greift auf vertikale sowie eine horizontale Navigation zurück, die sich nicht ergänzen sondern eher mit einander konkurrieren als eine einheitliche Navigationsstruktur zu bilden. Der für Düsseldorf getätigte Hinweis bezüglich der Code-Basis, trifft leider auch auf das nicht weit entfernte Essen zu. Div-Suppe in Perfektion! Anstatt für Überschriften entsprechende Tags zu verwenden, werden weitere zusätzliche Div-Element eingesetzt. Das es zumindest visuell gestaltet durchaus ansprechender geht, zeigt im übrigen der Webauftritt von Essen 2010 ( Kulturhauptstadt2010 ). Aber leider ist auch dieser Quellcode alles andere als zu empfehlen!

10. Bremen

Webdesign Bremen.de
Städteportale - Bremen

Beim Aufruf von Bremen.de wird der Besucher von einer Startseite mit der Auswahl zwischen Bremen und Bremerhaven empfangen. Ein Klick auf bremen.de bringt im ersten Moment ein aufgeräumtes Layout zum Vorschein. Wodurch insbesondere auch die aktuellen Themen die die Stadt beschüftigen ( werden ), direkt ins Auge des Betrachters fallen. Außerdem ist auffällig, dass auch hier vertikale und horizontale Navigationen zum Einsatz kommen, wobei die vertikale wesentlich präsenter ist. Die horizontale Navigation, die Inhalte zu Themen wie dem Bremer Nightlife, Veranstaltungen und den Stadtplan enthalten, geht bei diesem Navigationskonzept aufgrund der unauffälligen Darstellung fast unter. Eine Unterbringung in der Hauptnavigation wäre hier sicherlich die beste Entscheidung die man treffen könnte. Bereiche wie Events und Nightlife könnte man bspw. in einer neu angelegten Marginalspalte rechts neben dem Content anbieten. Ein weiterer sich nicht sonderlich positiv auf das Gesamtbild auswirkende Punkte ist die Darstellung der Werbebanner rechts neben dem Städte-Portal der Hansestadt. Denn diese kommen gleich in zweifacher Ausführung nebeneinander daher und liegen damit vor allem bei einem großen Viewport direkt im Blickfeld des Betrachters, wodurch sie die Aufmerksamkeit vom Content zu stark ablenken.

Der Aufbau der einzelnen Content-Elemente mit Überschrift, Text, Verlinkungen und Bildmaterial hingegen ist bei den Bremern übersichtlich, verständlich und wird im Vergleich zu anderen Städte-Portalen von Anfang bis Ende durchgezogen. Leider basiert die Gesamtstruktur dieses Layouts auch auf einem Tabellen-Layout. Ähnlich wie in anderen Städten wird die aktuelle Position des Besuchers durch eine sehr präsente und leicht verständliche Breadcrumb-Navigation abgebildet und zudem von wechselnden selbsterklärenden Kategorie-Abbildungen unterstützt. Allerdings sind die Bezeichnungen dieses Bildmaterials mit "wiarb" für den Bereich "Wirtschaft Arbeit" oder "kuku" für "Kultur Freizeit" nicht nur nicht sonderlich barrierefrei, sondern auch in Sachen SEO keine wirkliche Hilfe. Für internationale Besucher dieser Webseite wird der Content im übrigen lediglich in englischer Sprache und in leicht abgespeckter Version angeboten. Aufgrund der Nähe zu Skandinavien, hätte ich auch hier noch weitere Fremdsprachenangebote erwartet.

Fazit

Beim Überfliegen der Webseiten der 10 Städte-Portale und ihrer fachlichen Umsetzung bleibt auf jeden Fall hängen, dass alle bis auf wenige Ausnahmen stark verbesserungswürdig sind. Unabhängig vom eventuell verwendeten CMS oder dem vielleicht fehlenden fachlichen Know-How in Sachen Webentwicklung oder Usability bei Online-Redakteuren die Inhalte anlegen und einpflegen, sollten Online-Projekte wie diese auch einer fachlichen Kontrolle unterliegen. Nur weil Städte-Portale ständig wechselnden Inhalten unterliegen, heißt dies nicht, dass das auf Webstandards basierende Gerüst der Webseiten ein Selbstläufer ist. Aus fachlicher Sicht ist es schade mit ansehen zu müssen, dass solch reichweitenstarke Webseiten solch teilweise eklatante Fehler aufweisen. Selbst internetaffinen Besuchern einzelner dieser Städte-Portale sind die gewünschten Informationen nicht auf den ersten und meistens auch nicht auf den zweiten Blick zugängig. Oftmals ist eine Menge Geduld für die Suche und das Finden von Inhalten von Nöten. Manche der Portale wirken überladen, andere wiederum einfach nur langweilig und wenig einladend. Einen Eindruck den sicherlich keine Stadt gerne bei seinen Besuchern hinterlassen möchte, warum dann aber bei der Webseite der Stadt?

Als wirklich positive Beispiele möchte ich an dieser Stelle die Main-Metropole Frankfurt und mit Abstrichen auch Ruhrgebiets-Metropole Dortmund aufführen. Die Rhein-Metropolen hingegen, sowie der Auftritt der Hauptstadt, haben diesbezüglich eher weniger lobende Worte zu erwarten. Alles in allem war es eine durchaus interessante Aufgabe, sich die einzelnen Städte-Portale einmal unter verschiedenen Gesichtspunkten etwas näher anzusehen. Die relativ kurzen und knappen Fazits zu den einzelnen Portalen machen aber auch deutlich, dass mancherorts mittels kleiner Änderungen durchaus Verbesserungen in Sachen Benutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit für die Besucher der Webseiten erzielt werden könnten.

An dieser Stelle seid ihr als Leser gern dazu aufgerufen hier zu kommentieren, was Euch an den jeweiligen vorgestellten Städte-Portalen gefällt und was weniger.

Welches Städte-Portale ist dein Favorit?

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  1. Alexandra
    04 Nov 2009, 09:03

    Grins :) Stuttgart ist diesmal auch dabei...


  2. Michel
    04 Nov 2009, 09:25

    Ich hätte essen.de viel schlechter eingestuft, gerade als Bürger dieser Stadt komme ich so gar nicht mit der Website klar. Bin nur froh, dass sie nächstes Jahr einen Relaunch abliefern soll und hoffe, dass der richtig gut wird.

    Eigentlich weiß man hier gar nicht, welchen Bereich man aufsuchen muss um die und die Information zu bekommen. Ich fand mich schon im Bereich „Rathaus“ und hätte bei „Leben in Essen“ schauen sollen. Naja. Wird schon :)


  3. Chris 05 Nov 2009, 18:33

    Mein Favorit ist Frankfurt.

    Erweitere doch diese Serie noch um die nächsten 5. Mich würde speziell Deine Meinung zu www.dresden.de interessieren.


  4. klaus 08 Nov 2009, 22:50

    mein favorit ist chemnitz.de, wobei mich ein fazit zu dresden.de auch interessieren würde


  5. andreas
    09 Nov 2009, 07:24

    dortmund.de wird gerade insgesamt renoviert, nicht nur die internationalen Seiten; wie die Seite vorher aussah, kann man teilweise noch an den Subdomain-Seiten erkennen, bspw. dkh.dortmund.de (unter Freizeit/Kultur -> Dietrich-Keuning-Haus).


  6. Andre
    27 Jun 2011, 15:18

    Also das ist ein echt interessanter Blogbeitrag schade das die Ostdeutschen Städte zu kurz kommmen. Da stelle ich mal Leipzig.de und Leipzigarchiv.de in den Raum.


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