Multikulturelles Webdesign und mehrsprachige Suchstrategien - Zielsprache oder Zielland?
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Webstuff
- 11 Jun, 2010
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Multikulturelles Webdesign - Die Bevölkerung Asiens macht mehr als 40% der weltweiten Internetnutzer aus, und allein in China sind beinah 30% mehr Internetnutzer online als in den USA. Besonders wichtig ist, dass drei Viertel der Weltbevölkerung überhaupt kein Wort Englisch spricht – also eine Menge Menschen. Man kann sicherlich sagen, dass jeder, der durch Online-Geschäfte Geld verdienen will, einen sehr wichtigen Aspekt außer Acht lässt, wenn er die vielen Millionen Menschen im Cyberspace ignoriert, die kein Englisch verstehen. Wie nimmt man aber die Entwicklung einer mehrsprachigen Website in Angriff? Sollte man sich dabei auf die jeweilige Sprache oder das jeweilige Land konzentrieren? Immerhin wird in vielen Ländern ein und dieselbe Sprache gesprochen, oder nicht? Oder ist es wichtiger, sich an den dialektalen Unterschieden der Länder auszurichten? Und welche Fragen sind zu klären, wenn man eine flexible, multikulturelle Website entwirft?
Multikulturelles Webdesign
Entscheidend ist eine sorgfältige Planung, BEVOR man lokalisierte Websites ins Internet stellt, statt später zu versuchen, seine Website quasi zurückzuentwickeln.
Unicode
Bevor man seine Website für internationale Märkte optimieren kann, muss sie so angepasst werden, dass sie zu den regionalen Kulturen der wichtigsten Zielmärkte passt. Der Übersetzungsprozess einer Website wird erheblich dadurch erleichtert, wenn die Webseiten ursprünglich in Unicode entworfen werden. UTF-8 ist eine längenvariable Kodierung für Unicode-Zeichen, die mehr als 90 Schriften unterstützt und über ein Repertoire von über 100.000 Zeichen verfügt.
... wer also zum Beispiel eine Spitzenposition in den argentinischen Google-Rankings einnehmen möchte, braucht tatsächlich eine Spitzen-".ar"-Domain ...
Das deutsche Symbol für das Eszett (ß) kann dadurch beispielweise mit Leichtigkeit für eine Website nachgebildet werden, die ursprünglich auf Englisch verfasst war. Unicode wurde von Unternehmen wie Oracle, IBM, Apple und Microsoft übernommen, und auch alle im Allgemeinen verwendeten Betriebssysteme und Browser unterstützen es ebenfalls.
Farbe und bildliche Darstellung
Auch die Farbwahl sollte die vorgesehene internationale Zielgruppe widerspiegeln. Die Farbe Schwarz steht beispielsweise in westlichen Kulturen für den "Tod", während die Farbe des Todes in östlichen Kulturen Weiß ist. Gleichermaßen kann Rot in westlichen Kulturen "Gefahr" oder "Liebe" bedeuten, jedoch "Reinheit" in Indien und in China einen Anlass für ein "Fest" oder sogar "Glück". Es gibt etliche Beispiele dafür, wie unterschiedlich die Bedeutungen von Farben von Kultur zu Kultur ausfallen. Was immer Sie wählen, verwenden sie bloß niemals das Bild eines grünen Hutes auf Ihrer Website, wenn Sie gezielt Kunden in China ansprechen wollen, da dies dort besagt, dass die Ehefrau eines Mannes ihn betrogen hat!

Onlineshops unterschiedlicher Kulturen - H&M vs. al-Farah
Zudem lässt sich eine Website leichter an gewisse Kulturkreise adaptieren, wenn Sie sich vor Augen halten, was für Bilder auf der Website Ihrer ursprünglichen Sprache zu finden sind: Spärlich bekleidete Frauen, wie sie bspw. in zahlreichen Online-Shops zur Sommerzeit zu sehen sind ( siehe Abbildung "H&M" ), mögen bei Ihren Zielgruppen in westlichen Ländern großen Anklang finden, aber Menschen in konservativeren Kulturen ( siehe Abbildung "al-Farah" ) könnten dies beanstanden. Und genau aus diesem Grund müssen Sie in der anfänglichen Designphase genau überlegen, wer letztendlich auf Ihre sorgfältig gestaltete Website zugreifen wird.
Layout und Navigation
Auch lohnenswert ist es, zu bedenken, dass nicht alle Sprachen von links nach rechts gelesen werden. Arabisch wird beispielsweise von rechts nach links gelesen, was Auswirkungen haben kann, wenn das Menü Ihrer deutschen oder englischen Website vertikal angeordnet ist. Es liegt zwar keine so große Schwierigkeit darin, Ihr Menü auf die gegenüberliegende Seite zu verschieben; der Einfachheit halber ist jedoch ein horizontales Menü zu empfehlen. Damit kann man zudem eine generell gleiche Design-Maske auf all seinen Websites beibehalten.
Mehrsprachige SEO und Lokalisierung
Es besteht kein allzu großer Unterschied in der Optimierung Ihrer inländischen Website, verglichen mit der Ihrer fremdsprachigen. Ein paar Punkte sollte man jedoch dabei berücksichtigen. Die goldene Regel der mehrsprachigen SEO lautet, Keywords NIEMALS wörtlich zu übersetzen! Selbst die vollkommen korrekte Übersetzung durch einen professionell qualifizierten Linguisten muss nicht das ergeben, was Internetbenutzer verwenden, wenn sie vor Ort nach Dienstleistungen/Produkten suchen. Stattdessen benutzen sie vielleicht Abkürzungen, umgangssprachliche Ausdrücke oder Synonyme. Deshalb muss man wichtige Redewendungen für jede einzelne Website in einer anderen Sprache gründlich recherchieren.

Keyword-Tool - Zielsprache oder Zielland
Dann bleibt noch die Frage zu klären, ob man sich bei seiner internationalen SEO-Strategie auf die "Sprache" oder auf das "Land" konzentrieren sollte. Dabei sollte man nicht vergessen, dass SEO und Lokalisierung Hand in Hand gehen.
Gezieltes Ansprechen je nach Sprache
Wenn man sich dazu entschließt, sich an der Sprache anstelle des Landes zu orientieren, ist das Hosten der Website in den Zielländern selbst nicht so wichtig, da man nicht versucht, sich auf eine bestimmte Nation zu konzentrieren. Die Verwaltung und Pflege von separaten Top-Level-Domains (TLD) für jedes Land kann sich als kostspielig erweisen, und dabei haben wir bisher die Website-Optimierung für jedes Land noch nicht einmal erwähnt. Sich deswegen nicht den Kopf zerbrechen zu müssen, kann eine Menge Zeit und Geld sparen. Sprache ist eine der wichtigsten definierenden Charakteristika einer jeden Kultur, und wer sich einer Gruppe von Ländern zuwendet und sie in ihrer Muttersprache anspricht, erntet damit als Absatzexperte erhebliche Pluspunkte. Übersetzt man beispielsweise die eigene Website ins Französische, kann man in die Märkte Frankreichs, Belgiens, Kanadas, der Schweiz und verschiedener anderer französischsprachiger Bevölkerungsgruppen Afrikas oder gar noch weiter weg eindringen. Genauso verhält es sich mit Spanisch, das in Spanien (offensichtlich...), in weiten Teilen Süd- und Mittelamerikas sowie vielerorts in den Vereinigten Staaten gesprochen wird.
... Vertrauen bringt jeden internationalen Absatzexperten ein ganzes Stück weiter ...
Um eine Tatsache kommt man nicht herum: SEO ist eines der elementaren und wichtigen Tools, das Webentwicklern und Absatzexperten zur Verfügung steht. Wenn man sich für eine "sprachenorientierte" Strategie entscheidet, ist SEO möglicherweise etwas problematisch. Das liegt daran, dass sich bei Such-Algorithmen normalerweise alles um die Lokalität der Suche dreht - wer also zum Beispiel eine Spitzenposition in den argentinischen Google-Rankings einnehmen möchte, braucht tatsächlich eine Spitzen-".ar"-Domain, die IN Argentinien gehostet wird. Google verwendet bei seinen Suchergebnissen Daten, die mittels Geotargeting gewonnen werden. Aus diesem Grund muss man so stark wie möglich "in" dem Zielland vertreten sein, um eine hohe Ranking-Position zu erreichen. Darüber hinaus unterscheidet sich das in Frankreich gesprochene Französisch von dem in Kanada oder in der Schweiz gesprochenen Französisch. Zum Beispiel heißt "Mittagessen" in Frankreich déjeuner, aber dîner in der Schweiz und in Belgien. Und um es noch komplizierter zu machen, ist dîner in Frankreich der Begriff für "Abendessen". In Spanien bezeichnet coche ein "Auto", aber in vielen spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas ist mit coche ein Kinderwagen gemeint.
Gezieltes Ansprechen je nach Land
Wer bei der SEO und beim Online-Marketing den Schwerpunkt auf Länder anstelle von Sprachen legt, konzentriert sich auf die vollständige Lokalisierung anstelle von Globalisierung. Wie bereits zuvor erwähnt, wirken sich inländische TLDs positiv auf die Suchmaschinen-Rankings in den Zielmärkten aus. Zudem bedeutet es, dass man im Hinblick auf die gewünschten Branchen-Keywords mit weniger anderen Websites im Wettbewerb steht, und dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Suchmaschinen-Rankings.
SEO Video - Mehrsprachige Webseiten, was ist zu beachten?
Vertrauen bringt jeden internationalen Absatzexperten ein ganzes Stück weiter. Wenn ein Online-Verbraucher sieht, dass Ihre Website genau im Dialekt seines Heimatlandes verfasst ist und außerdem auf einer Domain gehostet wird, die eindeutig zu seinem Land gehört (z.B. ".fr" für Frankreich), dann fördert dies ein Vertrauensgefühl zwischen ihm und Ihnen. Der Hauptnachteil des länderspezifischen Ansatzes sind die damit verbundenen Kosten. Individuelle Domains in Verbindung mit vollständig lokalisierten und optimierten Websites für jeden Markt machen es erforderlich, dass einiges Geld investiert wird. Bedenkt man aber, dass fast 200 Millionen Menschen Brasilianisches Portugiesisch sprechen, lohnen sich die Ausgaben wahrhaftig, die durch die Entwicklung einer separaten Strategie für Brasilien entstehen. Außerdem benötigt man nicht in jedem Fall eine separate Strategie. Britisches und US-amerikanisches Englisch stimmen zum Beispiel weitgehend überein, und man muss nicht unbedingt zwei unterschiedliche Texte für jede Website verfassen. Eklatante umgangssprachliche Ausdrücke und Bezugspunkte, die auf englische Muttersprachler auf der ganzen Welt, abgesehen von der Zielgruppe, die mit ihnen vertraut ist, eine befremdliche Wirkung haben könnten, sollten jedoch vermieden werden.
Diese Tipps helfen Ihnen hoffentlich bei Ihren Bemühungen um internationales Webdesign und SEO. Viel Erfolg!
Informationen über den Gastautoren
Christian Arno ist der Gründer und Geschäftsführer von Lingo24, einem internationalen Lokalisierungsunternehmen, das auf vier Kontinenten für Kunden in mehr als 60 Ländern tätig ist und einen Umsatz von mehr als 4 Mio. EUR erzielt.
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11 Jun 2010, 12:18
Sehr gute Zusammenfassung.
Die größten Probleme bestehen aber scheinbar nicht einmal bei der Internationalisierung selbst sondern in der Regionalisierung/Lokalisierung. Wenn es auch keine Website ist, in den vergangenen Tagen sind mir in diesem Zusammenhang besonders Dialoge oder Bezeichnungen in Apple Safari 5 aufgefallen. Wer den Browser regelmäßig nutzt, weiß wovon ich spreche ;-)
Die mehrsprachige Webseiten sind leider selbst heutzutage noch für so manchen Global-Player ein Buch mit 7 Siegeln. Da wird eine deutschsprachige Version und unter Umständen vielleicht noch eine englische Version angeboten, die allerdings in einer oftmals stark abgespeckten Version daher kommt,so das viele Informationen die der Users durchaus als nützlich erachten würde, gar nicht mehr vorhanden sind.
Bei der Übersetzung deutschsprachiger Webseiten in andere Sprachen, sollte man vorher recherchieren, welche Suchwörter in den anderen Sprachen verwendet werden, um das jeweilige Produkt oder Dienstleistung zu finden. Auch sollte der zu übersetzende deutsche Text so weit vereinfacht und vor allem von langen zusammengesetzten Substantiven, sowie nur im Deutschen sinnmachenden Werbeausdrücken befreit werden. Das erleichtert den Übersetzern die Arbeit erheblich und hilft Missverständnisse zu vermeiden. Auf jeden Fall empfiehlt es sich die Übersetzung von Webseiten von einer darauf spezialisierten Übersetzungsagentur durchführen zu lassen.
Also ich persönlich finde mehrsprachige Websiten schon nicht so schlecht - allerdings sollte die Übersetzung auch wirklich gut und professionell gemacht sein. Sonst geht die gute Idee leider nach hinten los..