SEO-Evolution: Vom Primaten zum Querdenker

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SEO-Evolution: Vom Primaten zum QuerdenkerSEO-Evolution - In den letzten Jahren hat sich in der SEO-Branche einiges getan: Die Suchmaschinen evolutionierten sich durch unzählige Anpassungen, Modifikationen und Verbesserungen, denn schließlich wollte man im stetigen Wettlauf - nein, im Kampf - um die besten, objektiven Suchergebnisse, die jeder Manipulation trotzen sollten, alle Suchenden für die eigene Suchmaschine begeistern. Auf der anderen Seite stieg zunehmend auch die Anzahl der Suchmaschinenoptimierer deutlich an - und mit ihr auch die Quote derer, die - nicht immer nur vom Idealismus getrieben - eigentlich keine Ahnung hatten. Trotzdem aber kein Problem, denn schließlich können Halbwissen oder sogar Unwahrheiten nur schlecht als solche enttarnt werden, wenn es nur wenig gesicherte, offizielle Informationen gibt. Ein weiteres Phänomen war in dieser Zeit aber auch die manchmal sehr plakative Selbstinszenierung zur Stilisierung der eigenen Person zu einer differenzierbaren Marke.

Bei verstärkter Nutzung des assoziativen Cortex stehen die Chancen auf Innovation wesentlich besser, als beim bloßen Kopieren.

Mit dem so im "digitalen Strömungskanal" geformten "Popstars" gab es für viele (Halbwissenden) nun erstmals Identifikationspersonen, "prominente" Leitfiguren der Branche. Bei so viel Ahnungslosigkeit auf der einen Seite und Inszenierung auf der anderen, stellt sich natürlich die Frage, was einen wirklich guten Suchmaschinenoptimierer ausmacht? Lässt sich die Qualität eines Buches wirklich anhand des Titelbildes bewerten? Mit Sicherheit nicht - auch wenn es im ersten Augenblick manchmal so scheint. Nein, die Sache ist komplizierter. Betrachtet man die ganze Sache ein wenig übertrieben wissenschaftlicher, lassen sich in der Branche folgende SEO-Typen identifizieren:

Spiegelneuron-Typ

Das menschliche Gehirn greift in vielen Situationen auf die Fähigkeit der Spiegelneurone zurück. Mit deren Hilfe ist der Mensch zum einen in der Lage das Empfinden des Gegenübers wahrzunehmen (einfühlend, empathisch zu reagieren), zum anderen aber auch, Handlungen anderer zu kopieren, ohne sich diese selbst herleiten oder darüber nachdenken zu müssen.Das kann manchmal ungeheuer zeitsparend, ja sogar lebensrettend sein. Manchmal kann der daraus resultierende Herdentrieb aber auch in die Irre und zu keinem besonders befriedigenden, leistungsstarken Gesamtergebnis führen. Eines ist aber klar: Innovativion sieht anders aus, bzw. ist über einen solchen Weg sogar gänzlich ausgeschlossen.

Assoziativer Cortex-Typ

Der assoziative Cortex des menschlichen Gehirns befähigt uns, einen gemeinsamen Kontext aus zwei unterschiedlichen Sachverhalten abzuleiten. Die so gewonnenen Informationen können für spätere Situationen adaptiert werden und für eine optimierte Handlungsweise eingebracht werden. Auf diese Weise lassen sich unschätzbare Erfahrungen sammeln, die im Rahmen einer Suchmaschinenoptimierung enorm wichtig sind. Übrigens: Das Gehirn der Affen besitzt ebenfalls einen assoziativen Cortex, der von seinem Umfang her allerdings wesentlich kleiner ausfällt. Die Primaten setzen vielmehr auf die Vorteile der Spiegelneurone. In "freier Wildbahn" wird man die beschrieben Typen wohl kaum in Reinform finden. Trotzdem wird man einen eindeutigen Schwerpunkt erkennen können, der zugleich auch verdeutlicht, ob es sich um einen guten oder einen schlechten Suchmaschinenoptimierer handelt.

SEO-Evolution: Vom Primaten zum Querdenker
Quelle: Poplinre (Flickr)

Eines ist wohl klar: Bei verstärkter Nutzung des assoziativen Cortex stehen die Chancen auf Innovation wesentlich besser, als beim bloßen Kopieren. Und genau das ist es ja, was so wichtig ist: Wenn ich als SEO immer nur das tue, was andere bereits gemacht haben, werde ich nie zu besseren Gesamtergebnissen kommen. Das permanente Experimentieren, Beobachten und das korrekte Ableiten ist ungemein wichtig. Fehltritte gehören ebenfalls dazu und sind wichtig, wenn man in der Lage ist, von ihnen zu lernen und auch hier die richtigen Schlüsse abzuleiten. Im Umkehrschluss soll dies allerdings nicht bedeuten, dass die Berücksichtigung der Erfahrungen anderer überflüssig wäre. Oft ergeben sich allerdings bei genauerem Hinsehen andere Rückschlüsse, als die vom Autor beschriebenen. Neuen Informationen sollte man deshalb aufgeschlossen, in jedem Fall aber kritisch gegenüberstehen. Hier ist ebenfalls zu empfehlen, sich auch nicht von der Art der Präsentation blenden zu lassen: Selbst die Aussagen der Szene-Prominenz oder sogar der offiziellen Sprecher der Suchmaschinenbetreiber sollten inhaltlich immer auf Plausibilität geprüft werden.

Ranking-Faktoren: Die Jagd nach dem heiligen Gral

Manchmal erscheint mir die Jagd nach einer möglichst vollständigen Liste aller Rankingfaktoren ähnlich wie die nach der höchsten Anzahl von Megapixeln bei Digitalkameras. Dabei eintscheidet nicht zwingend der technische Aspekt über ein qualitativ hochwertiges Bild, sondern der Fotograf. Natürlich ist ein Mindestmaß an technischer Qualität vorausgesetzt, letztendlich kann aber nur die Erfahrung des Fotografen für ein perfektes Endergebnis sorgen. Jeder Suchmaschinenoptimierer sollte also über die SEO-Grundlagen verfügen. Alles weitere wird durch Erfahrung geprägt, die individuell angewendet werden muss.

Die Maxime der Suchmaschinen

Eigentlich ist alles ganz einfach: Suchmaschinen möchten menschenähnlich bewerten, denn schließlich sollen mit den Suchergebnissen für Menschen interessante, relevante Websites angeboten werden. Also schaut man den Suchenden auf die Finger. Prinzipiell macht Google dies seit Entwicklung des PageRank-Algorithmus, der ja über die Bewertung von eingehenden Links sozialer Aspekte als Empfehlung einbezieht. Dass das Konzept verfeinert und ergänzt wurde, ist bekannt. Der grundsätzliche Ansatz ist allerdings geblieben - und mit ihm auch die Maxime: Der Mensch.

SEO-Evolution: Vom Primaten zum Querdenker
Quelle: FindYourSearch (Flickr)

Auch wenn es lange Zeit als wenig effektiv galt, Websites für Menschen und nicht nur für Suchmaschinen zu erstellen, so sind Google & Co. heute mehr denn je in der Lage, Websites aus menschlicher Sicht zu betrachten und zu bewerten. Zumindest gelingt dies in Teilen schon recht gut, und zunehmend auch immer besser. Suchmaschinen sind immer mehr in der Lage, das Nutzerverhalten in das Ranking einfließen zu lassen. Aus diesem Grund werden Aspekte einer optimalen Usability auch immer wichtiger. "SEO & Usability" (oder weiter noch: die User Experience) wachsen zunehmen zusammen. Eine optimale Usability sorgt also nicht nur für eine verbesserte Conversion, sondern ist gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil der SEO.

Fazit

Ein guter Suchmaschinenoptimierer muss sich heute den vielfältigsten Herausforderungen stellen. In vielen Foren lässt sich häufig lesen, dass moderne SEOs redaktionell fähig, sowie künstlerich begabt sein müssen. Schließlich sollten Sie interessante Texte, aber auch Videos mit viralem Touch in Windeseile produzieren können (Stichwort: Vertical Search). Ganz ehrlich: Das ist nicht die Aufgabe des Suchmaschinenoptimierers. Vielmehr muss dieser in der Lage sein, das große Ganze zu überblicken und die einzelnen Komponenten zusammen-zuführen. Vor allem sollte er sich nicht zum Affen machen und ausschließlich auf die Nutzung seiner Spiegelneuro setzen. Er sollte Gebrauch von seinem assoziativen Cortex machen und mit diesem auch mal über den SEO-Tellerrand blicken.

Der grundsätzliche Ansatz ist allerdings geblieben - und mit ihm auch die Maxime: Der Mensch.

SEO entwickelt sich also zunehmend zu einer übergreifenden Disziplin, die aus der klassischen Suchmaschinenoptimierung und aus der User Experience Optimierung besteht. Stellt sich die Frage, wie eine solche übergreifende Betrachtung einmal betitelt wird. Selbst heute greift der Begriff "SEO" bereits viel zu kurz und lässt nicht einmal erahnen, wohin die Reise geht. Ein guter SEO denkt also nicht nur an isolierte Ranking-Faktoren, sondern aggiert aus Sicht der Suchmaschinen und deren Grundmotivation. Nur so geht SEO heute - und erst recht morgen ...

Informationen über den Gastautoren

Verfasst hat "SEO-Evolution: Vom Primaten zum Querdenker der Gast-Blogger Steven Broschart, der hier im Webstandard-Blog bereits den Artikel SEO & UXO - Allianz auf gleicher Augenhöhe verfasst hat. Steven ist seit über 6 Jahren als Senior Consultant für den Bereich SEO und UXO beim Online-Marketing-Spezialisten cyberpromote in München tätig und der Autor des Weblogs SEO & Usability.

SEO Buch-Tipp vom Webstandard-Team - Suchmaschinenoptimierung & Usability

SEO & Usability - SuchmaschinenoptimierungZum Thema Suchmaschinenoptimierung gibt es mittlerweile in deutscher Sprache einige Werke, die sehr empfehlens- und lesenswert sind. Der Aspekt der User Experience wird bei den meisten Werken allerdings außen vor gelassen, anders "SEO & Usability" * von Steven Broschart. So beleuchtet der Autor auch den Unterschied zwischen "Usability & User Experience" und deren Optimierung (UXO). Dieses Buch aus dem Verlagshaus Franzis beschäftigt sich neben dem Aufbau von Backlinks, der Keyword-Analyse und Usability-Studien mit Mousetracking aber auch damit, wie eure Webseiten von den richtigen Besuchern gefunden werden können, ihr Top-Rankings auf Google, Yahoo & Co. erreichen könnt oder aber auch wie ihr bereits erreichte Positionen in den SERPs verbessern könnt und Besucher in Kunden verwandelt. Wer sich also weiter in die Thematik einlesen bzw. einarbeiten möchte, sollte auf jeden Fall mehr als einen Blick in "SEO & Usability" * von werfen!

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  1. SEOnymus 21 Jun 2010, 15:02

    Lesenswerter Beitrag, den ich in seinem Fazit nur zustimmen kann! Leider machen viele von denen die "SEO betreiben", oft nur das nach was sie woanders gelesen oder gehört haben. Die Psychologie des- oder derjenigen verstehen die Suchen, ist mindestens ebenso wichtig Keyword-Research, das Analysieren von Statistiken, etc.


  2. Sebastian
    21 Jun 2010, 15:06

    Der Spieltrieb-Typ
    *************************
    Ausgehend von seinen bisher erlernten und in der praxis erprobten Taktiken und Strategien im Rahmen von SEO-Tätigkeiten verfeinert der "Spieltrieb-Typ" sein eigenes Wissen durch spielerisches Ausprobieren neuer Ansätze und bislang nicht erprobter Techniken. Im Erfolgsfall optimiert so der "Spieltrieb-Typ" seine eigenen Fähigkeiten ohne sich dabei von den Ansichten und Meinungen anderer beeinflussen zu lassen, sondern richtet sein Hauptaugenmerk auf selbstständig erarbeitete und validierbare Erkenntnisse und passt seine tägliche Arbeit unter sich stetig verändernden Umweltbedingungen auf diese an.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Spieltrieb
    http://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_und_Irrtum


  3. Webstandard-Team
    21 Jun 2010, 15:32

    @Sebastian: Der Spieltrieb-Typ ist im Prinzip der zweite Typ. Bei den hier genannten "SEO-Typen" handelt es sich ja um eine rudimentär neurologische Betrachtungsweise.


  4. Sebastian
    21 Jun 2010, 16:46

    Stimmt... ich wollte damit auch höchstens noch einen soziobiologischen Aspekt ergänzen ;-)


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